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Das Menschenbild bei Carl Gustav Jung

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IV. Kritik an Jungs Menschenbild


  • Die Hypothese, dass die Psyche keine tabula rasa ist, sondern von Anfang an bestimmten (aber schwer bestimmbaren) Strukturgesetzen unterliegt, ist akzeptierbar.
  • Heute lässt sich indessen nicht mehr übersehen, dass Jungs Polarität männlicher und weiblicher Eigenschaften erheblich von zeitbedingten, historisch eher zufälligen Geschlechtsrollenstereotypen gekennzeichnet ist.
  • Zudem stehen bei ihm in auffälliger Weise Probleme des männlichen Unbewussten mitsamt seiner Erlösungsbedürftigkeit durch das Weibliche im Mittelpunkt. Dieses Ungleichgewicht hat feministische Kritik auch dort problematisiert, wo sie mit Verfahren und Grundannahmen dieser Art von Tiefenpsychologie im Prinzip einverstanden ist.
  • Der methodische Fehler Jungs liegt in erster Linie darin, dass er die ausschließlich psychologische Betrachtung auch auf Probleme ausdehnt, die gebieterisch nach einer kulturanthropologischen Behandlung verlangen.
  • Manche Züge seiner Lehre, deren Hauptziel es ja ist, dem „entmythologisierten“ Menschen wieder einen Zugang zu den „urtümlichen Bildern“ zu verschaffen, mischen psychologische Spekulationen mit metaphysisch-gnostischen, aber nie ausdrücklich so gekennzeichneten Elementen.
  • Sie rücken ihn auch in eine bedenkliche Nähe zu sektierischem Denken, in dem ebenfalls der Rückgriff auf mystische Gewissheiten dominiert. Wie nahe Jung den faschistischen Bewegungen mit ihrem synkretistischen Ansatz und der romantisch getönten Anlehnung an ursprüngliche Formen der Religiosität stand, zeigt seine Parteinahme für die NSDAP.




Quellen: - Farbe bekennen: Jahrgangsstufe 12, Kösel-Verl ag, München (1995)
  • Micha Brumlik: C.G. Jung zur Einführung, Junis Verlag, Hamburg (1993)
  • Gerhard Wehr: Gründergestalten der Psychoanalyse, Artemis & Winkler Verlag, Zürich (1996)
  • Morgenstern / Zimmer: Hintergründe: Die Philosophie und ihre Fragen, Patmos Verlag, Düsseldorf (19995)
  • Heinz Fastenrat: Kurswissen Religionskritik, Klett Verlag, Stuttgart (1993)
  • Wolfgang Schmidtbauer: Mythos und Psychologie, Ernst Reinhardt Verlag, München

 

  
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