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1. Das persönliche Unterbewusste und dessen KomplexeEs ist für
den Menschen recht einfach festzustellen, wann das Unterbewusstsein Impulse zum
Handeln gibt. Wann immer es nach außen durchbricht, wird die
ICH-Bewusstseins-Kontinuität gestört. Das bedeutet. dass der Mensch in
diesem Augenblick selbst ein diskontinuierliches Handeln fühlt. Dies ist
nicht verwunderlich, da der plötzliche Handlungsimpuls nicht von ihm selbst
kommt. Wenn also in einem Gespräch ein bestimmtes Wort fällt, auf
welches man plötzlich unangemessen emotional reagiert, so kann man unter
Umständen davon ausgehen, dass hier das Unterbewusstsein reagierte;
offenbar wurde durch das Wort ein wunder Punkt angesprochen. In der analytischen
Psychologie wird eine solche Abweichung des Verhaltens als Komplex bezeichnet.
Die Erforschung der Komplexe ist der Königsweg zum Unterbewussten!
Komplexe entstehen dadurch, dass fördernde oder hemmende Reaktionen der
Umwelt auf die Verhaltensweisen des Menschen wirken und so bestimmte,
wertneutrale Bedürfnisse, Verhalten oder Gefühle als angenehm oder
unangenehm, als richtig oder falsch erscheinen lassen. Dementsprechend werden
einige Aspekte der Persönlichkeit und Welterfahrung positiv, andere negativ
aufgeladen. Die Person, die in diesem Augenblick ein komplexbehaftetes Verhalten
zeigt, hat keine Möglichkeit, dieses Verhalten zu unterbinden, da diese
Handlung einer Kontrolle unzugänglich ist. Es lassen sich zwei verschiedene
Komplexebenen unterscheiden: zum einen Komplexe, die der individuellen
Lebensgeschichte entstammen, Komplexe, die der Gruppe, Gesellschaft und Kultur,
in der wir leben, sind und durch unseren Sozialisierungsprozess vermittelt
werden, zum anderen Komplexe, die vererbt werden und allen Menschen gemeinsam
sind. Letztere nennt man auch Archetypen. Beispiele hierfür sind die in
allen Kulturen auftauchenden Vorstellungen von Geistern, Dämonen, Kobolden,
Fabelwesen, Heinzelmännchen und Teufelchen als die Personifikation
unbewusster Komplexe. Da komplexbehaftetes Handeln weite Bereiche von positiven
Lebensmöglichkeiten ausschließt, ist es ein konstruktives Ziel, diese
störenden Handlungsweisen auszuschalten. Der Weg dorthin führt unter
anderem über die genaue Beobachtung der
ICH-Bewußtseins-Kontinuität. Das Unterdrücken bestimmter
Persönlichkeitsteile führt zur Entwicklung von
Teilpersönlichkeiten, die die unterdrückten Persönlichkeitsteile
aufnehmen müssen. Die erste Teilpersönlichkeit ist der sogenannte
Schatten. Er umfasst häufig Geiz, Egoismus, Aggressivität,
Triebhaftigkeit, Neid, Habgier, usw.. Die zweite Teilpersönlichkeit umfasst
ausschließlich die gegengeschlechtlichen Schattenaspekte. Bei dem Mann
wird diese Teilpersönlichkeit Anima genannt, bei der Frau ist es der
Animus. Die Anima symbolisiert folgende unterdrückte, weibliche
Handlungsweisen: Kommunikationsfähigkeit hinsichtlich persönlicher
Belange, Einfühlungsvermögen, Beziehungsfähigkeit, der Zugang zu
seinem Körper und seinen Gefühlen, Anpassungsfähigkeit. Der
Animus symbolisiert unterdrückte, männliche Eigenschaften, wie
Aggression, Triebhaftigkeit, Mut, Risikobereitschaft, Eigeninitiative, geistige
Selbständigkeit, Innovation. Da diese Inhalte aber nicht vollkommen zu
unterdrücken sind, kehren sie nach außen über Projektionen auf
andere Personen und Gegenstände zurück. In dem Maße, in dem man
sich mit sich selbst versöhnt, versöhnt man sich also auch mit seiner
Umwelt.
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