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Das Menschenbild bei Carl Gustav Jung

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1. Das persönliche Unterbewusste und dessen Komplexe


Es ist für den Menschen recht einfach festzustellen, wann das Unterbewusstsein Impulse zum Handeln gibt. Wann immer es nach außen durchbricht, wird die ICH-Bewusstseins-Kontinuität gestört. Das bedeutet. dass der Mensch in diesem Augenblick selbst ein diskontinuierliches Handeln fühlt. Dies ist nicht verwunderlich, da der plötzliche Handlungsimpuls nicht von ihm selbst kommt. Wenn also in einem Gespräch ein bestimmtes Wort fällt, auf welches man plötzlich unangemessen emotional reagiert, so kann man unter Umständen davon ausgehen, dass hier das Unterbewusstsein reagierte; offenbar wurde durch das Wort ein wunder Punkt angesprochen. In der analytischen Psychologie wird eine solche Abweichung des Verhaltens als Komplex bezeichnet. Die Erforschung der Komplexe ist der Königsweg zum Unterbewussten! Komplexe entstehen dadurch, dass fördernde oder hemmende Reaktionen der Umwelt auf die Verhaltensweisen des Menschen wirken und so bestimmte, wertneutrale Bedürfnisse, Verhalten oder Gefühle als angenehm oder unangenehm, als richtig oder falsch erscheinen lassen. Dementsprechend werden einige Aspekte der Persönlichkeit und Welterfahrung positiv, andere negativ aufgeladen. Die Person, die in diesem Augenblick ein komplexbehaftetes Verhalten zeigt, hat keine Möglichkeit, dieses Verhalten zu unterbinden, da diese Handlung einer Kontrolle unzugänglich ist. Es lassen sich zwei verschiedene Komplexebenen unterscheiden: zum einen Komplexe, die der individuellen Lebensgeschichte entstammen, Komplexe, die der Gruppe, Gesellschaft und Kultur, in der wir leben, sind und durch unseren Sozialisierungsprozess vermittelt werden, zum anderen Komplexe, die vererbt werden und allen Menschen gemeinsam sind. Letztere nennt man auch Archetypen. Beispiele hierfür sind die in allen Kulturen auftauchenden Vorstellungen von Geistern, Dämonen, Kobolden, Fabelwesen, Heinzelmännchen und Teufelchen als die Personifikation unbewusster Komplexe. Da komplexbehaftetes Handeln weite Bereiche von positiven Lebensmöglichkeiten ausschließt, ist es ein konstruktives Ziel, diese störenden Handlungsweisen auszuschalten. Der Weg dorthin führt unter anderem über die genaue Beobachtung der ICH-Bewußtseins-Kontinuität. Das Unterdrücken bestimmter Persönlichkeitsteile führt zur Entwicklung von Teilpersönlichkeiten, die die unterdrückten Persönlichkeitsteile aufnehmen müssen. Die erste Teilpersönlichkeit ist der sogenannte Schatten. Er umfasst häufig Geiz, Egoismus, Aggressivität, Triebhaftigkeit, Neid, Habgier, usw.. Die zweite Teilpersönlichkeit umfasst ausschließlich die gegengeschlechtlichen Schattenaspekte. Bei dem Mann wird diese Teilpersönlichkeit Anima genannt, bei der Frau ist es der Animus. Die Anima symbolisiert folgende unterdrückte, weibliche Handlungsweisen: Kommunikationsfähigkeit hinsichtlich persönlicher Belange, Einfühlungsvermögen, Beziehungsfähigkeit, der Zugang zu seinem Körper und seinen Gefühlen, Anpassungsfähigkeit. Der Animus symbolisiert unterdrückte, männliche Eigenschaften, wie Aggression, Triebhaftigkeit, Mut, Risikobereitschaft, Eigeninitiative, geistige Selbständigkeit, Innovation. Da diese Inhalte aber nicht vollkommen zu unterdrücken sind, kehren sie nach außen über Projektionen auf andere Personen und Gegenstände zurück. In dem Maße, in dem man sich mit sich selbst versöhnt, versöhnt man sich also auch mit seiner Umwelt.

  
Auf Unendliches bezogen: Spirituelle Entdeckungen bei C.G. Jung
Siehe auch:
C. G. Jungs Landkarte der Seele: Eine Einführung
Erinnerungen, Träume, Gedanken
von C. G. Jung
Der Mensch und seine Symbole
Psychosomatische Anthropologie: Ein Lehr- und A...
Sich heilen lassen: Eine spirituelle und psycho...
Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma v...
 
   
 
     
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